FRANKA Archiv
2025
Kasseler Initiative klärt auf und hilft
Internationaler Tag gegen Menschenhandel macht Ausbeutung sichtbar
Der Internationale Tag gegen Menschenhandel am 30. Juli erinnert an die Schicksale von Menschen, die Opfer moderner Ausbeutung wurden. In Kassel engagiert sich FRANKA e.V. mit konkreter Hilfe und Aufklärung. Ab dem 25. August lädt der Verein zu einer Ausstellung ins Haus der Kirche ein – mit Einblicken in Ursachen, Formen und Strategien gegen den Menschenhandel.
Am Internationalen Tag gegen Menschenhandel wird eine der gravierendsten Menschenrechtsverletzungen unserer Zeit in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Seit seiner Einführung durch die Vereinten Nationen im Jahr 2014 macht der Aktionstag auf das weltweite Ausmaß von Ausbeutung aufmerksam – insbesondere auf die Schicksale von Frauen, Kindern und Geflüchteten, die unter Zwang in Prostitution, Bettelei oder ausbeuterische Arbeitsverhältnisse gedrängt werden. Der Tag ruft Politik, Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit dazu auf, Opferschutz zu stärken, Prävention zu fördern und Ausbeutung konsequent zu verfolgen.
Menschenhandel ist auch in Deutschland Realität
Auch in Deutschland ist Menschenhandel Realität – oft unsichtbar, oft ungestraft. Umso wichtiger ist es, die Mechanismen dahinter zu verstehen und Betroffenen Wege in ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet der Verein FRANKA e.V. in Kassel. Der Name des Vereins steht für «FRAuen Nothilfe KAssel». Die zugehörige Fachberatungsstelle ist heute Teil des Diakonischen Werks Region Kassel und über dieses Mitglied im Bundesweiten Koordinierungskreis gegen Menschenhandel – KOK e.V., dem zentralen Netzwerk für Fachberatung, Öffentlichkeitsarbeit und politische Interessenvertretung in diesem Themenfeld.
Kirchliches Engagement für Betroffene von Anfang an
Pröpstin Katrin Wienold-Hocke, Vorsitzende von FRANKA e.V., erinnert an die Anfänge des Vereins: «FRANKA e.V. ist aus der evangelischen Frauenarbeit entstanden. Das kirchliche Engagement galt den Frauen, die damals unter falschen Versprechungen aus Osteuropa nach Deutschland gelockt und zur Prostitution gezwungen wurden.» Wenn diese Frauen aufgegriffen wurden, seien sie ins Gefängnis gekommen, weil sie gegen das Aufenthaltsrecht verstoßen hatten – sie seien doppelt zu Opfern geworden. «Es waren Frauen in der Kirche, die ihnen beistanden.»
Auch heute sei das Engagement unvermindert notwendig: «Noch immer braucht es Engagement und Kompetenz, damit sie zu ihrem Recht kommen.» Die Arbeit von FRANKA sei eine «Sache der Nächstenliebe und der Solidarität unter Frauen», betont Wienold-Hocke. Ziel sei es, dass die Frauen zu ihrem «Menschenrecht auf Selbstbestimmung kommen, damit sie ihre von Gott gegebene Würde entfalten» können.
Bis heute gelte vielfach den Tätern mehr Aufmerksamkeit als den Betroffenen. Wienold-Hocke unterstreicht: «Das Schicksal der Frauen zu sehen und zu begleiten, mit hoher Kompetenz, die Behörden fachlich zu unterstützen und Hilfesysteme zu vernetzen, dafür steht die Arbeit der Fachberatung und von FRANKA e.V. im KOK.» Die im Verein Engagierten würden viel Unterstützung von Einzelnen und Gruppen erfahren, die Migration nicht nur als Schlagwort und Problem, «sondern die Menschen mit ihren vielfältigen Schicksalen wahrnehmen wollen», so die Vorsitzende.
Ab 25. August: Ausstellung im Kasseler Haus der Kirche
Ein Zeichen gegen Menschenhandel setzt FRANKA e.V. auch mit einer Ausstellung, die vom 25. August bis 12. September 2025 im Haus der Kirche in Kassel zu sehen ist. Die vom KOK e.V. konzipierte Wanderausstellung beleuchtet Ursachen, Erscheinungsformen und politische Rahmenbedingungen des Menschenhandels in Deutschland. Neben Sachinformationen auf Tafeln kommen Betroffene selbst zu Wort – in Video- und Audioformaten.
Zur Eröffnung am 25. August spricht Sophia Wirsching, Geschäftsführerin des KOK e.V., über die aktuelle Lage, begleitet von Musik und einer Führung durch die Ausstellung. Die Schau zeigt: Menschenhandel ist keine ferne Ausnahme, sondern Teil unserer Gesellschaft – und betrifft uns alle.
FRANKA und KOK – Gemeinsam gegen Menschenhandel
FRANKA e.V. wurde im Jahr 2000 in Kassel gegründet, um ausländischen Frauen, die in Deutschland Opfer von Menschenhandel wurden, konkrete Hilfe zu leisten. Die zugehörige Fachberatungsstelle – entstanden aus der Initiative engagierter Fachkräfte – nahm 2001 ihre Arbeit auf und ist heute Teil des Diakonischen Werks Region Kassel. Der Verein fördert die Fachberatung, leistet Netzwerkarbeit vor Ort und unterstützt Präventionsprojekte in Osteuropa. Seit 2008 ist FRANKA über das Diakonische Werk Mitglied im Bundesweiten Koordinierungskreis gegen Menschenhandel – KOK e.V.
Der KOK ist ein bundesweiter Zusammenschluss von derzeit 37 Organisationen, die sich gegen alle Formen von Menschenhandel und Ausbeutung einsetzen. Als Mitglied profitiert FRANKA von der politischen Interessenvertretung, dem fachlichen Austausch und der engen Vernetzung innerhalb dieses einzigartigen Netzwerks. Zugleich bringt FRANKA seine langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Betroffenen ein – sei es in Fällen sexueller Ausbeutung, erzwungener Prostitution oder Arbeitsausbeutung.
Beide Organisationen eint das Ziel, Betroffenen Wege in ein selbstbestimmtes Leben zu eröffnen, ihre Rechte zu stärken und politisches wie gesellschaftliches Umdenken anzustoßen. Während der KOK den strukturellen Rahmen für Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit schafft, leistet die Fachberatung vor Ort in Nordhessen konkrete Unterstützung – finanziert durch das Hessische Sozialministerium und auf Spenden angewiesen.
Internet: https://www.franka-kassel.de/; https://www.kok-gegen-menschenhandel.de/
Quelle: ekkw.de
2024
Auf den Punkt gebracht
Warum sich die Diakonie Deutschland gegen ein "Sexkaufverbot" einsetzt
2023
Impulse und Diskussion
Wie können Prostituierte besser geschützt werden?
Diskussion um das Sexkaufverbot
19. Oktober 2023, 17–20 Uhr
Evangelisches Forum, Lutherplatz
2022
Informationsblatt für ukrainische Frauen
Gedruckte Exemplare bekommen Sie ab dem 31.3.22 bei allen regionalen diakonischen Werken Nordhessens.
Information sheet for Ukrainian women
You can get printed copies from March 31, 2022 from all regional diaconal organizations in North Hesse.
Інформаційний лист для українок
Ви можете отримати друковані примірники з 31 березня 2022 року в усіх регіональних дияконських організаціях Північного Гессена.
Информационный лист для украинских женщин
Вы можете получить печатные копии с 31 марта 2022 года во всех региональных диаконских организациях в Северном Гессене.
2021
Menschenhandel und rituelle Gewalt
Vortrag und Podiumsgespräch | 04.11.2021, 19:00
Ein Kernmerkmal Ritueller Gewalt ist der gezielte Missbrauch von Weltanschauungen und Glaubensformen, um Gewalt scheinbar zu rechtfertigen und Menschen systematisch auszubeuten. Die Täter*innen arbeiten oft organisiert, vernetzt und über Ländergrenzen hinweg. - Ein solches Vorgehen ist auch aus Formen des internationalen Menschenhandels und der sexuellen Ausbeutung von Frauen (und Mädchen) bekannt, die nach Europa geschleust wurden. Vorallem nigerianische Tätergruppierungen nutzen oft die religiöse Tradition der Juju-Schwüre, um den Gehorsam und das Schweigen ihrer Opfer langfristig zu erzwingen. Betroffene Frauen sind auf diese Weise oft machtvoll und wirksam gebunden. Wenn die Flucht aus dem Menschenhandel gelungen ist, benötigen sie meist Unterstützung, um die Folgen der sexualisierten, aber auch der psychischen und spirituellen Gewalt zu verstehen und langfristig zu bewältigen.
Referentin: Dr. Susanne Nick, Dipl.-Psychologin, Centra – Zentrum für traumatisierte Geflüchtete, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, anschließend Podiumsgespräch mit Ulrike Gote, Dezernentin für Jugend, Frauen, Gesundheit und Bildung der Stadt Kassel und einer Beraterin der FRANKA Fachberatung.
Zu der Veranstaltung ist eine Anmeldung mit Adresse und Telefonnummer bis spätestens zwei Werktage vorher per Mail an
Artikel aus der Oktoberausgabe des Magazins "blick in die kirche"
von Ann-Kathrin Stöber
(zum Vergrößern auf das Bild klicken)
20 Jahre FRANKA e.V.
Liebe Freundinnen und Freunde von FRANKA e.V.,
Zwangsprostitution und Menschenhandel gibt es auch unter Corona-Bedingungen. Frauen und ihre Kinder, die davon betroffen sind, leben hier bei uns in Nordhessen. Sie sind häufig schwer traumatisiert und brauchen Hilfe, damit sie zu ihrem Menschenrecht kommen. Es ist eine wichtige Aufgabe schlichter Nächstenliebe, ihnen Beratung anzubieten und ein sehr konkretes Eintreten für Frauenrechte.
Mitt Gottesdiensten, Konzerten und Aktionen haben wir trotz Corona das Jubiläum begangen und damit wieder gezeigt:
FRANKA e. V. mischt sich ein. Seit 20 Jahren!
Der Verein finanziert die Fachberatung mit ihrer wichtigen Netzwerkarbeit und setzt sich politisch für die Betroffenen ein. Seit 20 Jahren unterstützen Spender*innen und Mitglieder diese Arbeit.
Die Highlights des Jubiläums
Jubiläumsgottesdienst
“Du bist ein Gott, der mich sieht“
Menschenhandel und Zwangsprostitution, ein Frauenthema, stand anlässlich des Jubiläums 20 Jahre FRANKA e. V. im Mittelpunkt des Gottesdienstes in der Kasseler Karlskirche am Sonntag, 27. Juni um 17 Uhr. Schicksale und Perspektiven der von Menschenhandel und Zwangsprostitution betroffenen Frauen und die Arbeit der Fachberatung FRANKA kamen im Gottesdienst zur Sprache.
Pröpstin Katrin Wienold-Hocke und ein Team von FRANKA hielten die Predigt und führten durch die Liturgie. Dr. Merle Clasen (Gesang) und Christine Weghoff (Klavier) gestalteten den Gottesdienst musikalisch. Dabei gaben die „Lieder eines armen Mädchens“ von Friedrich Hollaender Frauen, die leicht überhört oder übersehen wurden, eine kecke Stimme.
Die FRANKA-Fachberatung des Diakonischen Werkes Region Kassel sorgt für schnelle und professionelle Hilfe für die betroffenen Frauen, die aus Afrika, Bulgarien und Deutschland kommen. Sie und ihre Kinder leiden unter physischer und psychischer Gewalt. „Die Fachberatung begleitet die Frauen auf dem schwierigen Weg in ein selbständiges Leben. Der Verein FRANKA e.V. wiederum unterstützt die Arbeit der Beratungsstelle durch Öffentlichkeitsarbeit und Lobbyarbeit und durch Spenden“, sagt Pröpstin Katrin Wienold-Hocke, die Vorsitzende des Vereins.
Weltmusik-Vokalensemble AQUABELLA
Benefizkonzert für FRANKA e. V. zum 20jährigen Jubiläum
FRANKA e.V. mischt sich ein, seit 20 Jahren. Gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel engagiert sich der Verein mit der Finanzierung einer Fachberatung im DW Region Kassel. Betroffene Frauen, die häufig aus Armut und unter falschen Versprechungen in Gewaltverhältnisse geraten, leben hier bei uns in Nordhessen, häufig auch mit ihren Kindern. Sie sind oft schwer traumatisiert und brauchen Hilfe, damit sie zu ihrem Menschenrecht kommen. Es ist eine wichtige Aufgabe schlichter Nächstenliebe, ihnen Beratung anzubieten – und ein sehr konkretes Eintreten für Frauenrechte. Der Verein setzt sich politisch für die Betroffenen ein. FRANKA lud ein zu einem Benefizkonzert am 11. Juni um 19 Uhr.
AQUABELLA gelten im Weltmusik-Bereich als das renommierteste Vokalensemble Deutschlands. Ihre besondere Programmgestaltung und ihre mitreißende Bühnenperformance lässt jedes Konzert der „Stimmgrazien“ zu einem großen Erlebnis werden. In ihrem Programm „Heimatlose Lieder" beschäftigt sich AQUABELLA mit Sprachen, die drohen, in Vergessenheit zu geraten, mit Liedern aus Ländern, die es so nicht mehr gibt, mit Liedern von Menschen, die heimatlos geworden sind oder sich heimatlos fühlen und auch mit Liedern, die scheinbar überall zu Hause sind.








